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St. Fabian und St. Sebastian in Rensefeld: Bad Schwartaus ältestes Bauwerk

Mitten in Rensefeld steht ein Bauwerk, das länger da ist als alles andere in Bad Schwartau: die St.-Fabian-und-St.-Sebastian-Kirche. Wer hier vorbeigeht, steht nicht nur vor einer Kirche, sondern vor fast 850 Jahren Stadtgeschichte.

metasitesstudiollc@gmail.com · Bürgerreporter · 3.6.2026, 10:19:29 · 6 Min.

Sehenswürdigkeiten & Geschichte

Ein stiller Ort mit großer Geschichte
Bad Schwartau hat viele Orte, die man im Alltag schnell übersieht. Die St.-Fabian-und-St.-Sebastian-Kirche in Rensefeld gehört definitiv nicht dazu – auch wenn sie sich nicht laut in den Vordergrund drängt. Sie steht in Alt Rensefeld, umgeben von alten Linden, einer Feldsteinmauer, dem ehemaligen Friedhof und dem alten Dorfteich. Gerade diese stille Lage macht ihren Reiz aus.

Hier spürt man noch, dass Rensefeld einmal ein Dorf war, lange bevor Bad Schwartau zur Kurstadt, Wohnstadt und modernen Kommune wurde. Die Kirche war nicht irgendein Gebäude am Rand. Sie war Mittelpunkt: geistlich, sozial und räumlich. Bauernhöfe, Wege, Teich, Kirchhof – alles gruppierte sich um diesen Platz. Wer heute vor dem Turm steht, sieht also nicht nur rote Backsteine und Feldsteine. Man sieht den Ursprung eines ganzen Ortes.

Warum heißt sie St. Fabian und St. Sebastian?

Der Doppelname geht auf die beiden Heiligen Fabian und Sebastian zurück. Beide haben im kirchlichen Kalender denselben Gedenktag, den 20. Januar. Dieser Tag gilt traditionell als Hinweis auf den Weihetag der Rensefelder Kirche. Historisch wird sogar vermutet, dass die Weihe an einem Sonntag, dem 20. Januar 1163, stattgefunden haben könnte.

Urkundlich sicher greifbar wird die Kirche im Jahr 1177. Genau deshalb blickt die Gemeinde bereits auf das große Jubiläum „850 Jahre St. Fabian“ im Jahr 2027. Für Bad Schwartau ist das mehr als ein runder Geburtstag. Es ist eine Erinnerung daran, dass Stadtgeschichte nicht erst mit modernen Straßen, Kliniken, Kurpark oder Einkaufsleben beginnt, sondern tief in den alten Dörfern der Region verwurzelt ist.

Backstein, Feldstein und norddeutsche Wucht

Architektonisch ist St. Fabian und St. Sebastian eine typisch norddeutsche, aber keineswegs gewöhnliche Dorfkirche. Der Bau wirkt gedrungen, fest und beinahe wehrhaft. Besonders der eckige Turm mit seiner Mischung aus Backstein und eingestreuten Feldsteinen gibt dem Gebäude diesen trutzigen Charakter.

Die Kirche wurde überwiegend aus Backstein errichtet. Im Turm sind jedoch zahlreiche Feldsteine flächig in das Mauerwerk eingearbeitet. Diese Kombination macht die Kirche optisch lebendig: nicht glatt, nicht perfekt, sondern gewachsen, kräftig, alt. Genau das hat Charme. Das ist kein steriles Ausstellungsstück, sondern ein Bauwerk, das Wind, Wetter, Kriege, Umbauten, Generationen und Dorfgeschichten überstanden hat.

Im Osten befindet sich die runde Apsis, die dem Kirchenbau seinen historischen Charakter gibt. Stilistisch steht die Kirche zwischen Spätromanik und Frühgotik. Sie ist einschiffig, mit Chor und Apsis angelegt. Nach schweren Schäden im 13. Jahrhundert geht ihre heutige Form im Kern auf einen Neubau etwa aus der Mitte des 13. Jahrhunderts zurück.

Der Kirchhof: keine Kulisse, sondern Gedächtnis des Ortes

Rund um die Kirche liegt der alte Kirchhof. Neue Gräber werden dort seit langer Zeit nicht mehr angelegt, doch alte Grabsteine, Grabkreuze aus Eisen und ein Kriegerehrenmal erinnern daran, dass dieser Ort über Jahrhunderte auch ein Platz des Abschieds war.

Für Besucher macht gerade dieses Ensemble den besonderen Eindruck aus: Kirche, Mauer, Bäume, alter Friedhof und Dorfteich. Das ist keine Postkartenromantik aus dem Katalog, sondern echte gewachsene Ortsgeschichte. Wer langsam um die Kirche geht, merkt schnell: Hier erzählt nicht nur das Gebäude. Auch der Boden drumherum hat etwas zu sagen.

Was man im Inneren entdecken kann

Auch im Inneren lohnt sich ein genauer Blick. Zu den besonderen Ausstattungsstücken gehört ein granitener Taufstein, der 1952 im Pastoratsgarten gefunden wurde. Der Messing-Kronleuchter im Langhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert und verweist auf Lübecker Handwerkskunst. Die Nordempore trägt ein fürstbischöfliches Wappen in einem Akanthusrahmen vom Ende des 17. Jahrhunderts.

Die Orgel wurde 1968 von Hinrich Otto Paschen gebaut. Mit 19 Registern auf zwei Manualen und Pedal ist sie ein wichtiger Bestandteil des musikalischen Lebens der Kirche. Auch das Apsisfenster ist bemerkenswert: Bei der Renovierung in den 1960er Jahren erhielt es eine farbige Verglasung von Siegfried Assmann, einem Künstler, der für Kirchenfenster und sakrale Raumgestaltung bekannt wurde.

Die Kirche ist also nicht nur ein historischer Baukörper. Sie ist auch ein Raum aus Licht, Klang, Handwerk und Erinnerung.

Die Glocken von St. Fabian

Wie viele Kirchen in Deutschland hat auch St. Fabian eine Glockengeschichte, die mit den Einschnitten des 20. Jahrhunderts verbunden ist. Die historischen Glocken wurden 1917 für Kriegszwecke konfisziert und eingeschmolzen. 1921 kamen Ersatzglocken aus Hartguss hinzu, 1962 eine dritte kleinere Glocke.

Im Jahr 2015 wurden diese Glocken durch neue Bronzeglocken ersetzt. Sie wurden in der Kunstgießerei Rincker gegossen und erklingen heute in vier Tönen. Finanziert wurden sie durch Spenden – ein schönes Zeichen dafür, dass diese Kirche für viele Menschen weit mehr ist als ein alter Bau aus Stein.

Rensefeld, Bad Schwartau und das große Kirchspiel

Die St.-Fabian-und-St.-Sebastian-Kirche war einst die Pfarrkirche eines sehr großen Kirchspiels. Dieses Rensefelder Kirchspiel reichte historisch weit über den heutigen Stadtteil hinaus und umfasste Gebiete am nördlichen Rand Lübecks, darunter Orte wie Stockelsdorf, Groß Parin, Klein Parin, Pohnsdorf und Horsdorf.

Damit war die Kirche über Jahrhunderte ein geistlicher Mittelpunkt für eine ganze Region. Wer heute nur auf die Adresse „Alt Rensefeld 24“ schaut, unterschätzt die historische Bedeutung dieses Ortes. St. Fabian war nicht einfach die Kirche eines kleinen Dorfes. Sie war ein Zentrum in einer Landschaft, die sich politisch, kirchlich und städtebaulich immer wieder verändert hat.

Heute: Gottesdienst, Musik und Begegnung

Heute gehört St. Fabian und St. Sebastian zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Schwartau. Die Kirche wird weiterhin für Gottesdienste, Konzerte und besondere Veranstaltungen genutzt. Gerade die Kirchenmusik spielt eine sichtbare Rolle: Kantorei, Chöre, Instrumentalgruppen und festliche Gottesdienste machen die alte Kirche auch heute zu einem lebendigen Ort.

Das ist wichtig: St. Fabian ist kein Museum, in dem man nur ehrfürchtig nicken darf. Es ist ein aktiver Kirchenraum. Ein Ort, an dem Menschen feiern, singen, trauern, zuhören, beten, diskutieren und sich begegnen. Der Stein ist alt – aber der Ort lebt.

Warum sich ein Besuch lohnt

Ein Besuch lohnt sich besonders für alle, die Bad Schwartau nicht nur als Einkaufsstadt, Kurstadt oder Wohnort wahrnehmen möchten. St. Fabian und St. Sebastian zeigt eine ältere Schicht der Stadt: das dörfliche Rensefeld, die Nähe zu Lübeck, die norddeutsche Baugeschichte, die Bedeutung der Kirche im Alltag vergangener Jahrhunderte.

Am schönsten ist der Besuch mit etwas Zeit. Nicht nur kurz ein Foto machen und weiterlaufen. Besser: einmal um die Kirche gehen, die Feldsteine im Turm betrachten, den alten Kirchhof wahrnehmen, den Dorfteich einbeziehen und sich vorstellen, wie dieser Ort aussah, als Rensefeld noch ein eigenständiges Dorf war.

Hier steht Bad Schwartaus ältestes Gebäude – und es tut das mit norddeutscher Gelassenheit. Kein großes Getöse. Keine Showtreppe. Kein Souvenirtheater. Nur Backstein, Feldstein, Geschichte und ein Platz, der seit Jahrhunderten Menschen zusammenbringt.

*Wir.Hier-Fazit
*St. Fabian und St. Sebastian ist einer dieser Orte, an denen man versteht, dass Bad Schwartau mehr ist als Gegenwart. Die Kirche ist ein steinerner Ankerpunkt der Stadtgeschichte – bodenständig, schön, nicht überinszeniert und gerade deshalb so stark. Wer Bad Schwartau wirklich kennenlernen will, sollte in Rensefeld anfangen.

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